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Nach dem Erfolg der Pocken-Eradikation* setzte die WHO zahlreiche andere Erkrankungen auf die "schwarze Liste" der auszurottenden Erkrankungen, neben der Kinderlähmung ganz vorne auch die Masern (WHO 2012). Und auch wenn die deutschen Gesundheitsbehörden hier (zunächst) nur von der "Elimination*" der Erkrankung sprechen (BMG 2015), sind auch diese Bemühungen Teil der WHO-Eradikationsstrategie.

Obwohl Epidemiologen schon früh auf die fehlende Übertragbarkeit der Pocken-Ausrottung auf andere Erkrankungen hinwiesen (s. hier) wird dieses Beispiel einer gelungenen Eradikation gerade auch in Deutschland als eines der Standard-Argumente für eine (Masern-)Impfpflicht verwendet.

Die kurzfristigen epidemiologischen Folgen der damit verbundenen massiven Impfkampagne sind - neben dem Rückgang der Masern-Erkrankungszahlen - bis zum heutigen Tage:

Die langfristigen Auswirkungen dieser Strategie sind noch völlig unklar - hier gibt es aber zunehmend beunruhigende Veröffentlichungen:

Es wird deutlich, dass die zeitlichen Dimensionen, in denen Vorteile und Risiken einer Impf- oder gar Eradikationsstrategie betrachtet werden müssen, diejenige von Legislaturperioden von Gesundheitspolitikern oder Berufungsperioden von Fachgremien um ein vielfaches übersteigen. Systemische Betrachtungen wie diese, die der vernetzten Komplexität der Zusammenhänge von Gesundheit und Krankheit versuchen gerecht zu werden, taugen naturgemäß kaum für tagespolitisch-populistischen Theaterdonner wie die Forderung nach einer Masern-Impfpflicht...

 

Glossar* (nach Miller 2006)

Beide Begriffe werden auch in renommierten Publikationen nicht immer trennscharf verwendet... (Newsweek 2016)

 

 

Literatur

Anderson RM, May EM. Infectious diseases of humans: dynamics and control. Oxford: Oxford University Press; 1991.

BMG. Nationaler Aktionsplan 2015–2020 zur Elimination der Masern und Röteln in Deutschland. 26.02.2017

CDC. Measles. 2015. 26.02.2017

Christenson B. Vaccine 1994;12:129–33.  26.02.2017

Gelderblom H. Spektrum der Wissenschaft 6 / 1996, Seite 36. 26.02.2017

Leuridan E. BMJ 2010;340;c1626. 26.02.2017

Matysiak-Klose D. Bundesgesundheitsbl  2013. 56:1231–1237. DOI 10.1007/s00103-013-1799-x

Miller C. Arch Dis Child. 2004 Dec;89(12):1145-8.

Miller M. Control and Eradication. in Jamison DT. Disease Control Priorities in Developing Countries. New York 2006

Mossong J. Vaccine 21 (2003) 4597–4603

Newsweek vom 28.09.2016. 26.02.207

RKI. EpiBull 10/2015.26.02.2017

RKI. Infektionsepidemiologisches Jahrbuch 2012. Berlin 2013.

Rosen JB. CID 2014:58 (1 May). 26.02.2017

Weigl A. Klin Padiatr. 2005 Sep-Oct;217(5):259-67.

WHO 2012. Global measles and rubella strategic plan : 2012-2020. 26.02.2017