Auch die Empfehlung des Impfzeitpunktes ist nicht nur von Überlegungen bestimmt, die sich ausschließlich am Wohl des einzelnen Kind orientieren:

  • so fällt es nicht leicht, sich für ein Kind in unseren Breiten innerhalb der ersten Lebensmonate Verletzungen vorzustellen, die ein Wundstarrkrampfrisiko in sich bergen - sollte wider Erwarten eine solche doch auftreten (Verkehrsunfall, ...) bleibt bei Wundstarrkrampf immer die Möglichkeit des sicheren Sofortschutzes durch die Passivimpfung, d. h. die Übertragung fertiger Antikörper. Darüber hinaus greift auch gerade in den ersten Lebensmonaten noch ein Leih-Impfschutz von der in aller Regel in unseren Breiten ja ausreichend immunisierten Mutter (s. Kapitel über Tetanus).
  • auch eine Ansteckung mit Kinderlähmung gehört für ein in Deutschland oder Westeuropa aufwachsendes Kind innerhalb der ersten Lebensjahre sicher nicht zu den häufigsten und bedeutsamsten Gesundheitsrisiken (s. o.)
  • Keuchhusten und Haemophilus influenza B-Infektionen sind demgegenüber Erkrankungen, die von Übertragungsart und Infektionsverlauf her typischerweise schon junge Säuglinge betreffen und bedrohen können - ein früher Impfzeitpunkt kann hier also aus medizinischen Gründen sehr wohl sinnvoll sein.
  • Ein im Zusammenhang mit den so früh empfohlenen Impfungen auch gegen medizinisch zu diesem Zeitpunkt noch wenig relevante Erkrankungen immer wieder vorgebrachtes Argument ist das der Einbindung der Impfungen in die Kinder-Vorsorgeuntersuchungen der ersten Lebensjahre und damit das Erreichen von Eltern und Kindern in einem gewünscht hohen Prozentsatz. Für Ihr Kind tragen Sie Sorge und Verantwortung - auch für das Durchführen der von Ihnen für notwendig gehaltenen Schutzimpfungen zu dem von Ihnen gewählten Zeitpunkt.
  • Gerade in den letzten Jahren mehren sich die Hinweise auf die wichtige Rolle, die der Impfzeitpunkt für das Auftreten Unerwünschter Arzneiwirkungen spielt – Untersuchungen über die Impfungen Frühgeborener oder zum Allergierisiko bei zu früher Tetanusimpfung (s. Kapitel über die Rolle des Impfzeitpunktes) bestätigen hier die vielfache praktische Erfahrung der besseren Verträglichkeit bei späterer Impfung.