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Die Hepatits B ist weltweit endemisch, d. h. sie kommt weltweit ständig vor, man unterscheidet:

 

Infektionsweg und Impfstrategie

"... die Übertragung [erfolgt] in Niedrigprävalenzgebieten wie Westeuropa überwiegend über Risikoverhalten wie Sexualverkehr und intravenösen Drogengebrauch" (RKI 2017)

Damit ist ein Schutz gegen HB in Ländern wie Deutschland frühestens in der Pubertät wirklich relevant - die Studienlage, inwieweit dies durch eine Impfung im Säuglingsalter aber gewährleistet wird, ist unklar - die Studienlage  widersprüchlich:

 

Epidemiologie

Insgesamt spielt die HB bei Kindern und Jugendlichen unter 15 Jahren in Deutschland eine absolut untergeordnete Rolle, was der Vergleich zu den Gesamtfallzahlen nachdrücklich zeigt (man beachte die völlig unterschiedlichen Dimensionen der Y-Achse bei beiden Graphiken):

 

 

Hepatitis B in D mit Impfquoten

 

HepB in D bis 14 Jahr bis 2017

 

Bei diesen ohnehin geringen Fallzahlen sind deutschstämmige Kinder nochmals deutlich weniger vertreten: eine Studie aus dem Jahr 2010 zeigte, dass vor allem Kinder mit Migrationshintergrund (erste und zweite Generation, vor allem aber erste Generation und wenn beide Eltern aus entsprechenden Risikoländern stammen) betroffen sind - deren Risiko zu erkranken ist etwa zehnmal höher als das deutschstämmiger Kinder (Cai 2010). Im Erwachsenenalter ist die Hepatits B in dieser Bevölkerungsgruppe  (Migrations/Aussiedlerhintergrund), berücksichtigt man auf ihren Bevölkerungsanteil, mehr als viermal häufiger (Marschall 2005).

Auch die in den letzten drei Jahren zu beobachtende Zunahme der Hepatitis B-Fälle in Deutschland wird vom RKI als zumindest teilweise durch Asylsuchende bedingt erklärt (RKI 2017 - der Rest ist lt. RKI durch eine Änderung der Fallerfassung bedingt...): in vielen Bundesländern werden Asylsuchende schon bei der Erstaufnahme auf Hepatitis B untersucht und viele von ihnen kommen aus Hochprävalenzgebieten. Das RKI erklärt in der zitierten Übersichtsveröffentlichung auch die Verschiebung des Erkrankungsalters nach unten mit den untersuchten Asylsuchenden, denn bei ihnen liegt das mittlere Erfassungs- (nicht: Erkrankungs-)alter im Mittel bei 25 Jahren.

Damit ist die Hepatitis B die derzeit einzige Erkrankung mit einer relevanten Häufigkeit, deren Auftreten in Deutschland tatsächlich durch asylsuchende Menschen zugenommen hat - das ist allerdings überhaupt nicht gleichbedeutend mit einem erhöhten Ansteckungsrisiko für die Bevölkerung in Deutschland, da die Übertragung wie vom RKI aufgeführt eben durch in der Regel gut steuerbares Verhalten wie Sexualität oder Drogengebrauch erfolgt... . Das zeigt auch die Aufschlüsselung der Hepatitis B-Fälle in Deutschland nach dem Infektionsort: nur knapp die Hälfte aller Ansteckungen fand laut RKI in Deutschland statt (RKI 2017).

Im Kindesalter gibt es überproportional häufig chronische Verläufe, diese sind jedoch zu 2/3 perinatalen Ursprungs (d. h. Neugeborene stecken sich unter der Geburt bei der HB-infizierten Mutter an) (Hollinger 1996), also nur durch eine (in Deutschland durchgeführte) gezielte Untersuchung Schwangerer auf HB, nicht jedoch durch die Säuglings-Impfung erreichbar (Meinecke 1998).

In Kindergemeinschaftseinrichtungen besteht kein erhöhtes Übertragungsrisiko (Hurwitz 1994), d. h. die theoretisch denkbaren Übertragungswege wie Verletzungen im Kindesalter, gemeinsam benutztes Geschirr und ähnliches scheinen in der Praxis keine Rolle zu spielen.

Vor dem Hintergrund dieser Datenlagen entschied z. B. Dänemark – wie Deutschland ein Niedrigendendemieland – im November 2005 entgegen den WHO-Empfehlungen (bis heute) keine generelle Hepatitis B-Impfung zu empfehlen. Die epidemiologische Ausgangslage war und ist in beiden Ländern durchaus vergleichbar:

Eine Studie aus den Niederlanden  von 2009 untersucht speziell die als Argument für die flächendeckende Impfung immer wieder aufgeführte Reduktion der chronischen Hepatitis B-Verläufe (die einen Risikofaktor für ein späteres Leberzellkarzinom darstellen): die Auswirkungen auf deren Häufigkeit blieben - so die Autoren - bei sehr hohen Kosten des Impfprogrammes sehr begrenzt (Kretzschmar 2009).

 

Zum Ziel der Ausrottung der Hepatitis B

 

Literatur:

Bini C. 2018. Human Vaccines & Immunotherapeutics. 14(2):450–55

Cai W. Pediatr. Infect. Dis. J. 30 (1): 19-24. Epub 2010 Jul 29. DOI: 10.1097/INF.0b013e3181ef22d5.

Carman WF. Lancet 1990; 336; 325-329

Eurosurveillance http://eurosurveillance.org/ViewArticle.aspx?ArticleId=2827

GBE. www.gbe-bund.de

Hollinger F.B. Gut 1996; 38 (Suppl); 24-30

Hurwitz ES. Ped 1994; 94:1023-1024

Jan CF. 2010. Hepatology. 51(5):1547–54

Kretzschmar M. Vaccine. 2009 Feb 18;27(8):1254-60.

Luongo M. J Clin Virol. 2015 Jan;62:89-91. doi: 10.1016/j.jcv.2014.11.029. (Abruf 31.03.2016)

Marschall T. Dtsch med Wochenschr 2005; 130(48): 2753-2758. DOI: 10.1055/s-2005-922067

Meinecke CK. Der Merkurstab 1998; 4: 220 - 229

Petersen KM. Pediatr Infect Dis J. 2004 Jul;23(7):650-655

RKI. 2017. Epid Bull 31/2017.

RKI. Epid Bull III/1998 (Sonderausgabe).

Tao Bian. J. Virol. doi:10.1128/JVI.02127-13

Zhu C-L. 2011. Vaccine. 29(44):7835–41

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