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Am 22.07.2016 erscheint in der SZ ein Artikel über eine Zunahme von Mumpsfällen im München. Hier ein Leserbrief, der am 23.07.2016 bei der SZ eingereicht wurde.

Der Ziegenpeter füllt das Sommerloch

Masern sind ja sooo 2015…

Jetzt ist es also so weit: Schulschließungen in München wegen Mumps, genauer gesagt: wegen eines Mumps-Falles… . Aber: angesichts einer Zunahme von Mumpsfällen in Bayern greifen die Münchner Gesundheitsbehörden (RGU) jetzt hart durch - die Schule, an der ein (!) Fall von Mumps (bei einem Lehrer) auftrat, wird geschlossen. Schade, dass dem gerade ein für den betroffenen Tag geplanter Aktionstag gegen Rassismus zum Opfer fällt… .

Dabei ist Mumps – wenn sie im früher typischen Kindesalter durchlebt wird – eine in aller Regel harmlose Erkrankung: die gefürchtete Hodenentzündung bei Jungen und Männern tritt definitiv erst bei Mumpserkrankungen nach der Pubertät (und auch dann nur sehr selten) auf und die immer wieder ins Feld geführten Hirn- und Hirnhautentzündungen sind Raritäten: 2014 führt das Robert Koch Institut hier bei mehr als 800 Mumpserkrankungen 3 Fälle, 2015 bei etwa 700 Mumpsfällen 4 Fälle auf – Todesfälle sind in beiden Jahren nicht gemeldet (RKI 2015, RKI 2014).

Und: warum denn überhaupt die Schule schließen, wenn doch – wie die SZ das RGU zitiert – die Impfung so gut schützt? Schließlich sind in Deutschland weit mehr als 95% der Kinder gegen Mumps geimpft…

Leider ist die Mumpsimpfung (wie z.B. auch die Keuchhustenimpfung) bezüglich ihrer Wirksamkeit ein impfologischer Problembär. Sowohl 2014 als auch 2015 waren von den erfassten Mumpskranken jeweils mindestens 100 zweimal geimpft. Und im „Kinder- und Jugendarzt“, der Fachzeitschrift des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte Deutschlands BVKJ (das sind die, die immer nach der Impfpflicht rufen und im vergangenen Jahr nach eigenen Angaben mehr als € 180.000 an Zuwendungen von Impfstoffherstellern erhalten haben (Correctiv 2016)) stand schon vor einigen Jahren: „Die durch eine Mumps-Erkrankung induzierte Immunität wird als dauerhaft und lebenslang angesehen. Dies kann für die zweifach als MMR-Impfung durchgeführte Immunisierung gegen Mumps nicht angenommen werden.“ (Hower 2011).

Richtig ist, dass wir in den vergangenen Jahren international eine Verschiebung des Erkrankungsalters bei den Mumps beobachten – waren sie früher eine typische harmlose Kinderkrankheit, erkranken jetzt zunehmend ältere Jugendliche und Erwachsene; diese haben aber ein deutlich höheres Komplikationsrisiko und das ist zweifellos eine Auswirkung der Impfstrategie (RKI 2013) mit einer Impfung, die die Erkrankung eben nicht sicher verhindert, sondern in vielen Fällen nur verschiebt… und auch der Tatsache, dass es eben immer weniger Mumpsfälle gibt, die die Immunität der Geimpften auffrischen (RKI 2013)… schade eigentlich...

 

Literatur:

 

Correctiv.org. https://correctiv.org/recherchen/euros-fuer-aerzte/datenbank/empfaenger/berufsverband-der-kinder-und-jugendarzte-e-v-/, abgerufen am 23.07.2016

Hower J. Kinder- und Jugendarzt, Heft 10/11; 42. (60.) Jahr. S. 551 ff.

Michalczak V. SZ vom 22.07.2016. Abruf 23.07.2016

RKI. RKI-Ratgeber für Ärzte – Mumps. 20.12.2013. Abruf 23.07.2016

RKI. Infektionsepidemiologisches Jahrbuch 2014.

RKI. Infektionsepidemiologisches Jahrbuch 2015. Abruf 23.07.2016