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In der Märzausgabe der Stiftung Warentest stehen Schutzimpfungen für Kinder auf dem Prüfstand und: die Windpocken-Impfung fällt in den Augen der Warentestler durch.

Gerne würde man die sonst vermeintliche Objektivität der Stiftung in's Feld führen, um die unter Fachleuten ohnehin mehr als umstrittene Impfempfehlung mit neuer Verve zu kritisieren, entlarvte sich der oben genannte Artikel in seiner Gänze nicht als hochgradig intransparent und fragwürdig:

So ist weder der die Bewertung vornehmende "Expertenkreis" näher, geschweige denn namentlich genannt, noch finden sich Äußerungen zu bei "Experten" zu diesem Thema nicht unüblichen Interessenskonflikten, eine bei medizinischen Veröffentlichungen aus gutem Grund unerlässliche Forderung. Auch ist - und auch hier unterscheiden sich Stellungnahmen zu medizinischen Themen eben von Waschmaschinentests - keine der getätigten Behauptungen durch Quellenangaben oder zumindest den Hinweis auf ein Literaturverzeichnis belegt.

Viele der aufgeführten "Fakten" sind schlicht nachweislich falsch: so sind bespielsweise Röteln für Nicht-Schwangere keinesfalls "riskanter als ihr Ruf" , können außerhalb der ersten 3 Schwangerschaftsmonate nur in den allerseltensten Fällen  "überaus schwere Folgen haben", und die Rotavirusimpfung war aus gutem Grund von der STIKO lange Zeit nicht empfohlen: es fehlt für Länder wie Deutschland schlicht der Wirknachweis im Sinne von Verminderung der Krankheitslast geschweige denn der Nachweis einer Kosten/Nutzen/Risiko-Effizienz. Auch steht - anders als im Artikel behauptet - der Nutzenbeleg der Pneumokokken-Impfung im Sinne der STIKO-Forderung (Schutz des Geimpften vor der Erkrankung - nicht vor bestimmten Erreger-Untertypen) unverändert aus - gut untersuchte Phänomene wie die Verschiebung des Erregerspektrums bei Geimpften (replacement) und die daraus sich ergebenden, teilweise gravierenden Probleme werden gar nicht erst erwähnt.

So kommt diesem von der Idee her löblichen Artikel nur der Wert dessen zu, was im angloamerikanischen Sprachraum spöttisch GOFSAT genannt wird und was zugegebenermaßen immer noch zu häufig Grundlage von Leitlinien und Empfehlungen ist - Good ol' fellows sitting 'round a table...

In Zeiten Evidenzbasierter Medizin und dazu noch im Bereich der Präventivmedizin - wo prinzipiell immer besonders hohe Anforderungen an die Wirksamkeit und Sicherheit von medizinischen Maßnahmen und die Transparenz entsprechender Empfehlungen gelten - ist dies eine völlig indiskutable Grundlage von Bewertungen oder gar Empfehlungen und wird dem hohen Selbstanspruch der Stiftung Warentest in keiner Weise gerecht.

Literatur:

test 3/2012, S. 84-91; in Auszügen unter www.test.de