Die Frage nach einem Zusammenhang zwischen der steigenden Rate allergisch erkrankter Kinder und der zeitgleich zunehmenden Zahl und Dichte von Schutzimpfungen in den ersten Lebensjahren ist bis zum heutigen Tage nicht abschließend zu beantworten:

  • Eine große englische Studie konnte als mögliche Risikofaktoren einer späteren allergischen Erkrankung 3 Faktoren identifizieren: mütterliche allergische Erkrankungen, Antibiotica-Gaben innerhalb der ersten beiden Lebensjahre und die Impfung mit dem Ganzkeim-Keuchhusten-Impfstoff (Farooqi 1998).
  • Ein Vergleich zwischen der Allergierate anthroposophisch und nicht-anthroposophisch aufwachsender Kinder ergab eine deutlich höhere Allergierate letzterer. Statistisch signifikant unterschieden sich beide Gruppen unter anderem in der wesentlich niedrigeren MMR-Impfrate der anthroposophischen Gruppe (Alm 1999).
  • Im (seltenen) Vergleich von ungeimpften und geimpften Kindern zeigen letztere einer aktuellen amerikanischen Untersuchung zufolge eine deutlich höhere Rate an Asthma und allergischen Erkrankungen (Enriquez 2005) - hier gibt es jedoch auch gegenteilige Studienergebnisse, die bezüglich der Ekzem- und Asthmahäufigkeit keine entsprechenden Unterschied nachweisen können (Kummeling 2007).
  • Untersuchungen an menschlichen Lymphozyten zeigten, dass deren Infektion mit Masern-Impfviren die Produktion von allergietypischen Immunglobulinen (IgE) deutlich erhöhte (Imani 2001).
  • Darüber hinaus stimuliert das Aluminium, das in der Diphtherie-, Tetanus- und Hepatitis B-Impfung enthalten ist, die Produktion allergietypischer Antikörper (IgE) (Brewer 1999, Neuzil 1997, Nossal1997, Gupta 1995).
  • Gerade Impfungen in den ersten zwei Lebensjahren nehmen messbaren Einfluss auf die Differenzierung bestimmter menschlicher Immunzellen (T-Lymphozyten) – und zwar im Sinne einer allergieassoziierten Immunreaktion (Barrios 1996, Rowe 2000)
  • Insbesondere die Masern- und die Keuchhustenimpfung wurden und werden in Studien immer wieder mit einem erhöhten Allergierisiko in Verbindung gebracht - eine aktuelle und zahlenmäßig sehr groß angelegte Arbeit ( mehr als 50.000 Kinder wurden untersucht) fand hier keinen eindeutigen Zusammenhang; tendentiell schienen eher die beiden Erkrankungen das Allergierisiko zu erhöhen... (Nagel 2012).

  • Eine der besten und umfassendsten Untersuchungen der letzten Jahre zu diesem Thema stammt aus Kanada: hier konnte nachgewiesen werden, dass das bloße Verschieben der dort üblichen DPT-Impfung (allerdings mit dem in Deutschland unüblichen Ganzkeim-Keuchhusten-Impfstoff) aus dem frühen ersten ins zweite Lebenshalbjahr die Asthmahäufigkeit im Schulkindesalter halbiert (MacDonald 2008). Demnach käme dem Impfzeitpunkt für das impfassoziierte Allergierisiko eine überragende Bedeutung zu.

  • Eine chinesische tierexperimentelle Studie weist nach, dass bei Mäusen sowohl eine bronchiale Hyperreagibilität (Asthma), als auch eine Zunahme der Allergiebereitschaft insgesamt mit der Durchführung der in China empfohlenen Schutzimpfungen verbunden ist - eine methodisch sehr sorgfältig gemachte Untersuchung mit allerdings sehr kleinen Zahlen der jeweils verglichenen Mäuse-Zahlen (Zhang 2016)
  • Insgesamt bleibt die Studienlage hier widersprüchlich: zwei andere, ebenfalls großangelegte Studien können keine Zunahme von Allergiebereitschaft oder allergischen Erkrankungen durch Schutzimpfungen im 1. Lebensjahr nachweisen (Matheson 2010, Grüber 2008).

 

Literatur:

Alm JS. Lancet 1999 May 1;353(9163):1485-8

Barrios C. Eur J Immunol 1996; 26(7):1489-96

Brewer JM. J Immunol 1999;163:6448-54

Enriquez, RJ. Allergy Clin Immunol. 2005 Apr;115(4):737-44

Farooqi IS. Thorax 1998 Nov;53(11):927-32

Grüber C. Allergy. 2008 Nov;63(11):1464-72

Gupta RK. Pharm Biotechnol 1995;6:229-48

Imani F. Clin Immunol. 2001 Sep;100(3):355-61.

Kummeling I. Pediatrics. 2007;119:e367-373

MacDonald K. J Allergy Clin Immunol 2008;121:626-31

Matheson MC. Pediatr Allergy Immunol. 2010 Mar;21(2 Pt 1):301-6

Nagel G. Pediatr Allergy Immunol. 2012 Dec;23(8):737-46. doi: 10.1111/pai.12007.

Neuzil KM Vaccine 1997;15(5):525-32

Nossal GJ. Lancet 1997;350(9087):1316-9

Rowe J. Infect Immun 2000;68(7):3873-7

Zhang JL. Am J Rhinol Allergy 30, e113 - e117, 2016. doi: 10.2500/ajra.2016.30.4335 [12.03.2017]