Meningokokken
Meningokokken - Die Impfung
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- Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, 26. Januar 2012 06:30
- Geschrieben von Dr. Steffen Rabe
Seit Juli 2006 ist die Impfung gegen Meningokokken C in Deutschland eine für alle Kinder empfohlene Schutzimpfung.
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Die bisher verwendeten so genannten Polysaccharid-Impfstoffe waren im Kleinkindesalter nicht wirksam.
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Seit kurzem existieren jetzt so genannte Konjugatimpfstoffe gegen Meningokokken der Gruppe C, in denen die Bakterienbestandteile an Diphtherie- oder Tetanustoxoid gebunden sind, wodurch es auch bei Kindern unter 5 Jahren zu einer Antikörperbildung kommt.
Wirksamkeit
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Beide Impfstoffgruppen führen zu einer Antikörperbildung bei 90 – 100% der untersuchten Impflinge.
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Es existieren jedoch bis zum heutigen Tage keine methodisch hochwertigen Studien (randomisiert und kontrolliert), die klinisch relevante Endpunkte untersuchen, d. h. prüfen, ob denn nicht nur Antikörper gebildet werden, sondern die Erkrankungshäufigkeiten bei Geimpften auch wirklich zurückgehen! (at 2006) Dies wird begründet mit der Seltenheit der invasiven Meningokokkenerkrankungen, die Studien mit dem Endpunkt von Erkrankungshäufigkeiten nicht zuließe.
- Insgesamt scheinen invasive Meningokokkenerkrankungen in Ländern mit schon langjähriger entsprechender Impfempfehlung (wie z.B. Großbritannien) deutlich zurückzugehen (Department of health 2011, Campbell 2010).
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Die Dauer eines eventuellen Impfschutzes ist weitgehend unklar
- Bei der in Großbritannien durchgeführten frühen Impfung im ersten Lebensjahr sind bereits nach einem Jahr keine Antikörper mehr nachweisbar.
- Auch bei später geimpften Kindern kommt es bereits nach einem Jahr zu einer deutlichen Abnahme der Antikörper: statt initial bei 90% ließ sich nach einem Jahr ein als schützend angesehener Titer nur noch bei 60% der Untersuchten nachweisen (at 2006)
- Einer aktuellen Übersichtsarbeit aus Großbritannien zu Folge waren dort von den 465 Meningokokken C-Fällen im Zeitraum von 2000 bis 2003 immerhin 53 Kinder geimpft.
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Auch bei den Meningokokken sind Befürchtungen geäußert worden, es könne – wie bei HiB oder den Pneumokokken – zu einer Verschiebung im Erregerspektrum („replacement“) kommen (at 2006). Mittlerweile gibt es hier erste, eindeutige Hinweise: in einer großangelegten Untersuchung in Großbritannien konnte nachgewiesen werden, dass es parallel zur Einführung der Impfung gegen Meningokokken C zu einem deutlichen Rückgang dieses Erregertyps in den untersuchten Rachenabstrichen kam, gleichzeitig kam es zu einer deutlichen Zunahme des Serotyps B, der von der Impfung nicht erfasst wird und z.B. in Deutschland ohnehin die große Mehrzahl der Meningokokkenerkrankungen auslöst (Ibarz-Pavón 2011).
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Die STIKO-Erwartung, bei einer Durchimpfung von 80% wären bis zu 70% der Erkrankungen vermeidbar, setzt eine Wirksamkeit von über 90% über mindestens 3 Jahre voraus. Dies ist, so resümiert das arznei-telegramm, „aus den bisherigen Daten nicht ableitbar“ (at 2006)
Nebenwirkungen
- Bisher beschriebene UAWs umfassen neben Lokalreaktionen auch Reizbarkeit, Schlafstörungen bei Kleinkindern, Anaphylaktische Reaktionen, schwere, potentiell lebensbedrohliche Hautreaktionen (Erythema multiforme, Stevens-Johnson-Syndrom) und Krampfanfälle (at 2006).
- Guillain-Barré-Syndrom (Brigham 2009)
Polyvalente Konjugatimpfstoffe
- Seit 2010 ist in D der polyvalente Konjugatimpfstoff Menveo(TM) zugelassen, der - an Diphtherietoxoid konjugiert - Erregegerbestandteile der Meningokokkengruppen A, C, W und Y enthält. Er wird von der STIKO empfohlen als Indikationsimpfstoff bei Reisen in Länder, in denen diese Meningokokkengruppen endemisch vorkommen (z.B. Nordafrika) und für Kinder ab elf Jahren und Erwachsene.
- Auch hier wurde die Wirksamkeit lediglich über Antikörperspiegelmessungen im Vergleich zu bereits etablierten Produkten anderer Hersteller bestimmt (EMEA 2010, Jackson 2009, Reisinger 2009).
- Auch die Nebenwirkungen wurden nur im Vergleich mit diesem anderen polyvalenten Konjugatimpfstoff bewertet; sie sind deutlich ausgeprägter als z.B. die eines vergleichbar wirksamen Polysaccharidimpfstoffes, der nach Ansicht z.B. des arznei-telegrammes daher immer noch eine Alternative für die Reiseprophylaxe darstellt (at 2011).
Literatur:
a-t 2006; 37: 100-1
a-t 2011; 42: elektronisch publiziert
Brigham KS; Curr Opin Pediatr. 2009 Aug;21(4):437-43.
Campbell, H. et al.: Clin. Vaccine Immunol. 2010; 17: 840-7
Department of Health (UK) et al.: Green Book. Immunisation against infectious disease, Stand Febr. 2011 http://www.dh.gov.uk
EMA: Europ. Beurteilungsbericht (EPAR) MENVEO, Stand Mai 2010 http://www.ema.europa.eu
Ibarz-Pavón, AB: J Infect Dis. 2011 Oct 1;204(7):1046-53.
JACKSON, L.A. et al.: Clin. Infect. Dis. 2009; 49: E1-10
REISINGER, K.S. et al.: Clin. Vaccine Immunol. 2009; 16: 1810-5


