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Die langfristigen Auswirkungen von Impfprogrammen auf den Gesundheitszustand der betroffenen Bevölkerung sind bis heute fast unbekannt - inwieweit diese „Ausrottungsstrategien“ bestimmten Erregern gegenüber (Masern, Kinderlähmung etc.) mittel- und langfristig zwangsläufig zu epidemiologischen Problemen führen werden, ist Gegenstand intensiver und kontroverser Diskussion:

Der Anteil derjenigen in der Bevölkerung, die über eine verlässlich schützende, weil durch die Erkrankung erworbene Immunität verfügen nimmt kontinuierlich ab zugunsten derjenigen mit einer unzuverlässigeren Impfimmunität.

Bei der epidemiologischen Wirksamkeit zum Beispiel der Masernimpfung von weniger als 90% bleibt ein für das Masernvirus empfänglicher Teil der Bevölkerung, so dass Masernepidemien auch in "hochprozentig" geimpften Bevölkerungen auch zukünftig möglich bleiben (Levy 1984).

Diese Epidemien zeigen dann aber ein anderes Verteilungsmuster bezüglich des Patientenalters, wie wir aus entsprechenden Epidemien in den USA haben lernen müssen: es erkranken vor allem Säuglinge und Erwachsene, die jeweils ein erheblich höheres Komplikationsrisiko aufweisen als die „klassische Klientel“ natürlicher Masernepidemien, die Kleinkinder (Gruber 2000). Dies konnte z.B. für die Mumpsimpfung gerade in jüngerer Zeit eindrücklich belegt werden: alle epidemischen Ausbrüche der letzten Jahre zeigten, dass - anders als in der Ära vor der Impfung, in der vor allem Schulkinder erkrankten - die Altersgipfel jetzt vor allem jenseits der Pubertät liegen und damit in einem Zeitraum, in dem die Komplikationshäufigkeit der Erkrankung wesentlich höher ist (Dayan 2008, Schmid 2008).

Und auch zu anderen möglichen langfristigen Auswirkungen der Masernimpfung gibt es beunruhigende Beobachtungen: so scheint ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen der Einführung von Maserimpfprogrammen und der Zunahme schwerer Infektionen der unteren Luftwege (Bronchitis, Bronchiolitis, Lungenentzündung) und hierbei vor allem der durch das RS-Virus (RSV - respiratory syncitial virus) ausgelösten Verläufe zu bestehen. Sowohl das Masern-, als auch das RS-Virus gehören zur Familie der Paramyxoviren und es scheint, dass Mütter, die selbst noch Masern durchlebten, ihren Kindern einen Nestschutz auch gegen RSV mitgeben – im Gegensatz zu maserngeimpften Müttern, die dies nicht vermögen. So scheint die Masernimpfung mittelbar die Empfänglichkeit der Bevölkerung gegen RSV und die damit verbundenen schweren Erkrankungen zu erhöhen (Weigl 2005).

Eine Untersuchung zu Auswirkungen der HiB-Impfung in Großbritannien ergab irritierende Erkenntnisse:

Es gibt keinen plausiblen medizinischen Grund davon auszugehen, dass dieses alarmierende Phänomen auf HiB begrenzt sein wird ... . Die Autoren der oben zitierten Studie folgern: „Impfprogramme im Kindesalter können unvorhergesehene Auswirkungen auf die Epidemiologie von Erkrankungen im Erwachsenenalter haben, daher müssen Überwachungsstrategien immer die Gesamtbevölkerung betrachten.“. (McVernon 2004)

Eine aktuelle Untersuchung aus Island kommt hier jedoch zu anderen Ergebnissen: im unmittelbaren Vergleich von Haemophilus influenza-Erkrankungen vor und nach Einführung der Impfung zeigt die Impfung eine deutliche Verminderung der HI-Erkrankungen in allen Altersgruppen, ohne dass es zu einer nennenswerten Keimverschiebung hin zu Nicht-B-Haemophilus-influenza-Stämmen kommt (Berndsen 2012).

 

Literatur

Berndsen MR. Clin Microbiol Infect. 2012 Sep;18(9):918-23. doi: 10.1111/j.1469-0691.2011.03700.x.

Dayan GH. NEJM 2008; 358: 1580-89

Gruber B. Impfen. Bern 2000

Levy DL. Am J Ep 1984:120, 39 - 48

McVernon J. BMJ 2004, 329: 655-58

Schmid D EUROSURV VOL 13, ISSUE 7, 14.02.2008

Weigl A. Klin Padiatr. 2005 Sep-Oct;217(5):259-67

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