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Im Februar 2007 wurde die HPV-Impfung in einem beispiellosen Hau-Ruck-Verfahren von der STIKO in den Kanon der öffentlich empfohlenen Impfungen aufgenommen - die anfängliche Euphorie dieser "Impfung gegen den Krebs" ist längst einer ausgeprägten Katerstimmung gewichen...

Auch in anderen Ländern wie den USA ist das procedere der Zulassung und Art und Umfang der Impfpromotion mittlerweile Gegenstand intensiver medizinethischer Untersuchungen - auch dies ein in der Impfgeschichte einmaliger Vorgang (Tomljenovic 2012).

 

Wirksamkeit

  • Insgesamt werden in den Studien bei geimpften Frauen durch die enthaltenen HPV-Typen (6, 11, 16, 18) hervorgerufene Karzinome oder Karzinomvorstufen sicher verhindert.
  • Bei Frauen, die zu Studienbeginn keinerlei HPV-Antikörper im Serum aufwiesen (also mutmaßlich noch nicht infiziert waren) ist dieser Effekt auch für HPV insgesamt (also unabhängig von den in der Impfung enhaltenen Subtypen) nachweisbar.
  • Auf die Gesamtgruppe der Studienteilnehmerinnen (also unabhängig von der Frage einer schon vorbestehenden HPV-Infektion) bezogen, ist dieser die Impfserotypen übersteigende Effekt nicht nachweisbar. Für Frauen, die bereits HPV-infiziert sind, gibt es keinen Hinweis auf einen Schutzeffekt vor bösartigen Zellveränderungen (Miltz 2014).

 

Die HPV-Impfung bei jungen Mädchen

Zu Wirksamkeit und Nebenwirkungen bei jungen Mädchen gab es in den letzten Jahren keine neuen, belastbaren Daten - australische Zahlen weisen darauf hin, dass bei Mädchen unter 17 Jahren die Zahl höhergradiger Zellveränderungen seit der Impfeinführung zurückgeht, selbst das amerikanische CDC warnt jedoch davor, diese Zahlen angesichts der vielen möglichen Störfaktoren überzubewerten - dies umso mehr, als bei 18 - 20-Jährigen dieser Effekt trotz hoher Durchimpfungsraten nicht nachweisbar ist (at 2011, Brotherton 2011, Sarayia 2011).

Die Endauswertung der so genannten PATRICIA-Studie zu Cervarix®, im Jahre 2009 weist zwar in Richtung eines Schutzeffektes vor höhergradigen Zellveränderungen auch unabhängig vom HPV-Typ (Paavonen 2009), Experten weisen jedoch darauf hin, dass diese Studie durch mehrere Faktoren in ihrer Aussagekraft und Verlässlichkeit kompromittiert wird: zum einen werden innerhalb der Studienpopulation zahllose Untergruppen gebildet und analysiert, was die Anfälligkeit der Studienergebnisse für statistische Störfaktoren deutlich erhöht, zum zweiten wurden während der Studie die im Vorfeld definierten, untersuchten Endpunkte geändert (at 2009) - ein unwissenschaftliches Vorgehen, das den Verdacht der Datenmanipulation zulässt...

Unverändert lässt sich der einzig relevante Effekt beider Impfstoffe für diese Zielgruppe - nämlich die Reduktion höhergradiger Zellveränderungen und damit möglicher Krebsvorstufen - weder im Umfang, noch in der Dauer zuverlässig angeben.

In aktuellen Übersichtsarbeiten finden sich zunehmend kritische Stimmen zur HPV-Impfung - so in einer kanadischen Untersuchung, die lapidar zu dem Ergebnis kommt: "We thus conclude that further reduction of cervical cancers might be best achieved by optimizing cervical screening (which carries no such risks) and targeting other factors of the disease rather than by the reliance on vaccines with questionable efficacy and safety profiles." (Tomljenovic 2013)

 

Die HPV-Impfung für Frauen bis 45

Seit August 2010 ist die Zulassung für Gardasil®, den ersten HPV-Impfstoff, nochmals erweitert worden: er soll jetzt auch für Frauen bis zum Alter von 45 Jahren eingesetzt werden, um vor Gebärmutterhalskrebs und Genitalwarzen zu schützen. Teilergebnisse der Zulassungsstudien legten nahe, dass ein gewisser Schutz vor anhaltenden Infektionen mit den im Impfstoff enthaltenen HPV-Typen erreicht werden kann (Castellsagué 2011) - diese haben jedoch auch in diesem Alter eine hohe Spontanheilungssquote. Eine Reduktion höhergradiger Zellveränderungen, möglicher Krebsvorstufen also, konnte in keiner der bisher veröffentlichten Studien nachgewiesen werden. Die in Deutschland vorgenommene Erweiterung der Zulassung auf Frauen bis 45 Jahren wird daher in den USA nicht nur abgelehnt, in der amerikanischen Fachinformation muss der Hersteller sogar ausdrücklich auf den fehlenden Nutzen für diese Altersgruppe hinweisen... (at 2011).

 

HPV-Impfung für junge Männer

Anfang 2012 erschien eine Studie, die den Einfluss der tetravalenten HPV-Impfung auf Genitalwarzen, Penis- und Analkarzinome bei jungen Männern (16 - 23 Jahre alt) untersucht (Giuliano 2011).

Für die harmlosen Genitalwarzen lässt sich in dieser Untersuchung eine signifikante Schutzwirkung durch die Impfung nachweisen, keiner jedoch auf Zellveränderungen im Penis-, Damm- oder Analbereich, die mögliche Vorstufen von bösartigen Veränderungen darstellen könnten.

In der Untersuchung einer Teilgruppe der oben genannte Studie ließ sich zwar ein Schutzeffekt vor niedrig- und höhergradigen Zellveränderungen im Analbereich nachweisen, erstere sind jedoch in ihrer Bedeutung als Krebsvorstufen (ganz analog zu den Zellveränderungen bei Frauen am Gebärmutterhals) hochumstritten und der Schutz vor letzteren lässt sich nur nachweisen, wenn man die Untersuchung auf die im Impfstoff enthaltenen HPV-Typen als Auslöser begrenzt - ein Schutz vor Zellveränderungen unabhängig vom auslösenden HPV-Typ lässt sich (auch hier einen Analogie zu Situation bei jungen Mädchen und Frauen) nicht nachweisen (at 2011). Nichtsdestotrotz werden diese Daten in den USA herangezogen, um eine generelle Impfung aller Jungen von 12 - 13 Jahren zu empfehlen... (CDC 2011).

Ob es durch die Impfung zu einer verminderten Übertragung von HPV-Infektionen auf homo- oder heterosexuelle Sexualpartner kommt, ist bis dato nicht untersucht (at 2011), dies ist jedoch immer wieder vorgebrachtes Argument für die Impfung von Jungen gegen HPV.

 

Mögliche Probleme der Impfung

  • So finden sich schon jetzt bei HPV-Geimpften Erkrankungen, die durch nicht im Impfstoff enthaltene HPV-Serotypen ausgelöst werden häufiger, als bei Ungeimpften (Sawaya 2007, EMEA 2006) – hier ist eine engmaschige, differenzierte und langfristige Überwachung der HPV-Infektionen unabdingbar, um Phänomene einer bloßen Keimverschiebung wie z. B. bei den Pneumokokken rechtzeitig aufzudecken.

 

Nebenwirkungen

 

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