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Die Rufe nach einer COVID-19-Impfung für Kinder - bislang eher verhalten und vereinzelt - werden in den letzten Tagen zunehmend hysterisch. So wird die Kinderimpfung zuletzt zunehmend zur conditio sine qua non, zur unabdingbaren Voraussetzung für das Ende der Pandemie hochstilisiert.

 

Alle Hersteller von COVID-19-Impfstoffen haben mittlerweile mit Studien an Jugendlichen (NYT 12.02.2021) oder sogar an Kindern unter 12 Jahren begonnen (NYT 25.03.2021), BioNTech/Pfizer hat in einer Pressemitteilung erste Studienergebnisse an Jugendlichen zwischen 12 und 15 Jahren veröffentlicht (Pfizer 2021).

Folgende Überlegungen sind hier von besonderer Bedeutung:

Kinder sind durch Covid-19 wesentlich weniger gefährdet als Erwachsene

Kinderärztliche Fachverbände haben in Übereinstimmung mit der internationalen wissenschaftlichen Literatur immer wieder darauf hingewiesen, dass Kinder und Jugendliche im Falle einer Covid-19-Infektion in aller Regel asymptomatische bis milde klinische Verläufe erleben:"Kinder erkranken selbst nur selten schwer an COVID-19. Schwerste Erkrankungen oder sogar Tod sind eine Rarität." (DGKJ 2021a)Dies führt die Deutsche Gesellschaft für Kinderheilkunde und Jugendmedizin in ihrer aktualisierten Stellungnahme zu diesem Thema noch näher aus:"Jeder einzelne Fall eines schwer erkrankten oder verstorbenen Kindes an einer SARS-CoV-2-Infektion ist ein Fall zu viel und ein unerträgliches Einzelschicksal für Kind und Familie. Die nun seit Beginn der Pandemie gemachte Beobachtung, dass von den schätzungsweise 14 Millionen Kindern und Jugendlichen in Deutschland nur etwa 1200 mit einer SARS-CoV-2-Infektion im Krankenhaus (< 0,01%) behandelt werden mussten und 4 an ihrer Infektion verstarben (< 0.00002%), sollte Anlass sein, Eltern übergroße Sorgen vor einem schweren Krankheitsverlauf bei ihren Kindern zu nehmen. In der Saison 2018/19 wurde

COVID-19 und Kinder in D - eine wichtige Einordnung der DGPI -  update 21.04.2021

"Jeder einzelne Fall eines schwer erkrankten oder verstorbenen Kindes an einer SARS-CoV-2-Infektion ist ein Fall zu viel und ein unerträgliches Einzelschicksal für Kind und Familie. Die nun seit Beginn der Pandemie gemachte Beobachtung, dass von den schätzungsweise 14 Millionen Kindern und Jugendlichen in Deutschland nur etwa 1200 mit einer SARS-CoV-2-Infektion im Krankenhaus (< 0,01%) behandelt werden mussten und 4 an ihrer Infektion verstarben (< 0.00002%), sollte Anlass sein, Eltern übergroße Sorgen vor einem schweren Krankheitsverlauf bei ihren Kindern zu nehmen. In der Saison 2018/19 wurden nach Angaben des RKI insgesamt 7461 Kinder unter 14 Jahren mit Influenza als hospitalisiert gemeldet, 9 Kinder verstarben. Nach Angaben des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur lag im Jahr 2019 die Zahl der durch einen Verkehrsunfall getöteten Kinder bei 55, nach Angaben der DLRG die Zahl der ertrunkenen Kinder bei 25. Diese Zahlen sollen und dürfen keinesfalls gegeneinander aufgerechnet werden, mögen aber bei der Einordnung helfen.Die weiterhin bestehende extreme Seltenheit eines schweren oder gar tödlichen Verlaufes von SARS-CoV-2 bei Kindern und Jugendlichen ist nicht geeignet, als Argument für Schul- und Kita-Schließungen benutzt zu werden. Nur die verbleibende Behauptung, dass zwischen den Infektionen bei Kindern und Jugendlichen und der Überlastung der Intensivstationen und den schweren und tödlichen Verläufen der älteren Erwachsenen ein Zusammenhang bestehe, könnte Kita- und Schulschließungen rechtfertigen. Daten, die diese These bestätigen, fehlen allerdings." (DGKJ 2021c)Anders als bei Erwachsenen lassen sich bei Kindern evidenzbasiert bisher keine Risikopatienten als mögliche Zielgruppen für COVID-19-Impfungen definieren.

Kinder spielen für die Verbreitung von Covid-19 eine untergeordnete Rolle

Im Gegensatz zur Verbreitung anderer Atemwegserkrankungen wie z. B. Influenza [RKI 2021a] und anders als zu Beginn der Pandemie befürchtet, spielen Kinder keine wesentliche Rolle für die Dynamik der Pandemie:"Entgegen des Ausbreitungsprofils bei anderen Atemwegserregern scheint also im aktuellen pandemischen Geschehen keine substanzielle treibende Kraft von diesen Altersgruppen [bis 15 Jahre] auszugehen" (RKI 2021)."Jüngere Kinder sind weniger anfällig für Infektionen […]; wenn sie infiziert sind, scheinen sie seltener zu einer Weitergabe der Infektion beizutragen als Erwachsene." (DGKJ 2021a)Auch wenn derzeit politisch-medial ein gegenteiliger Eindruck erweckt wird: auch mit den Variants of Concern/VOCs wie B.1.1.7 sind Kinder keineswegs überproportional am Infektionsgeschehen beteiligt - dass die absoluten Zahlen gemeldeter positiver Testergebnisse (in Deutschland auch im Jahr 2 der Pandemie lächerlicherweise immer noch als "Neuinfektionen" tituliert) im Frühjahr 2021 stark steigen, liegt fast ausschließlich an der um ein mehrfaches gesteigerten Zahl der Tests in dieser Altersgruppe (DGKJ 2021b).Darüber hinaus ist es zum aktuellen Zeitpunkt (April 2021) unverändert offen, ob die verfügbaren Covid-19-Impfstoffe die Weiterverbreitung der Erkrankung (Virustransmission) durch Kinder substantiell reduzieren (s. dazu hier).

Kinder sind durch Nebenwirkungen der Impfstoffe besonders gefährdet

Dies gilt schon für die kurzfristigen Nebenwirkungen, die in den Zulassungsstudien bei jüngeren Probanden wesentlich häufiger und stärker auftraten als bei den bisherigen Hauptzielgruppen der Impfkampagne, den Älteren und Hochbetagten (PZ 2021). Mögliche langfristige Auswirkungen der Impfstoffe (z. B. die weiterhin nicht vollständig auszuschließende Integration viraler DNA der Virus-Vektor-Impfstoffe in das menschliche Erbgut (Jötten 2021) hätten bei Kindern besonders schwerwiegende Konsequenzen.

Kinder sind durch die langfristigen Folgen der Impfkampagne besonders gefährdet

Antigenetic sin/Antigenetische Erbsünde

Nach dieser Hypothese zahlreicher namhafter Immunologen bildet der Körper Antikörper vor allem beim ersten Kontakt (zum Beispiel durch einen Impfstoff) mit einem mutierenden Virus  - spätere Impfstoff-updates, die bei der COVID-19-Impfung bereits in der Entwicklung sind, führen dann lediglich zum erneuten Produzieren der ursprünglichen Antikörper ohne die Möglichkeit, auf die veränderten Antigenstrukturen adäquat reagieren zu können (Woodruff 2021). Schon jetzt zeigt sich bei COVID-19, dass mit BioNTech Geimpfte ein höheres relatives (!) Risiko aufweisen, an VOCs wie B.1.351 zu erkranken, als Ungeimpfte (Kustin 2021, auch FR vom 13.04.2021).Diese Hypothese, entwickelt und bestätigt vor allem an Influenzaviren und -impfstoffen, könnte die langfristige Reaktionsfähigkeit auf veränderte Virusvarianten beeinträchtigen, was aufgrund der zeitlichen Perspektive bei Kindern besonders gravierende Auswirkungen hätte.

Virus-Vektor-Impfstoffe

Hier entsteht neben der gewünschten Immunität gegen das verimpfte Antigen immer auch eine Immunität gegen den Virus-Vektor. Dies kann nach aktuellem Kenntnisstand Auffrischimpfungen mit solchen Virus-Vektor- Impfstoffen in der Wirksamkeit beeinträchtigen oder gar unmöglich machen (Pinschewer 2017, Kimpel 2019; s. auch hier).Auch eventuelle zukünftige Impfungen gegen andere Erkrankungen, die den gleichen Vektor verwenden, wären hiervon betroffen. Das fällt umso schwerer ins Gewicht, als die Anzahl möglicher Virus-Vektoren für menschliche Impfstoffe sehr gering ist.Angesichts des extrem niedrigen Risikos für schwere Covid- 19-Verläufe bei Kindern wird eine Nutzen-Risiko-Abwägung besonders bei Virus- Vektor-Impfstoffen im Kindesalter daher in der Regel nicht zugunsten der Impfung ausfallen.

Fazit

Flächendeckende COVID-19-Impfungen bei Kindern und Jugendlichen sind medizinisch sowohl aus Gründen des Individual-, wie auch aus denen des Herdenschutzes unnötig, unsinnig und potentiell hochproblematisch.Impfungen gegen COVID-19 sollten bei Kindern und Jugendlichen nur in medizinisch begründeten seltenen Ausnahmefällen bei vermuteter besonderer Risikosituation aufgrund von Vorerkrankungen sorgfältig erwogen werden.

Rechtliches

update 14.06.2021:

  • Die EMA hat Comirnaty für Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren zugelassen
  • Die STIKO hat  eine allgemeine Impfempfehlung für Kinder und Jugendlichen ausdrücklich nicht ausgesprochen.
  • Bislang liegt eine solche Empfehlung auch von keiner Landesgesundheitsbehörde vor.

Gastbeitrag von JM Hesse, RA für Medizinrecht

27.05.2021

Impfangebote gegen COVID-19 für Jugendliche ab 12 Jahren – offene Fragen und rechtliche Hinweise

Zahlreiche Bundesländer und Politiker sprechen sich heutzutage für Impfangebote für Jugendliche ab 12 Jahren betreffend Impfungen gegen Covid-19 aus. Sie befürworten offenbar eine flächendeckende Durchimpfung auch der Jugendlichen dieser Altersgruppe, um schneller eine Herdenimmunität in Deutschland sowie einen ungehinderten Schulbetrieb in Präsenzform nach den Sommerferien zu gewährleisten.

https://www.aerztezeitung.de/Nachrichten/Druck-beim-Impfen-von-Schuelern-doch-die-Corona-Vakzinen-bleiben-knapp-419829.html

http://www.welt.de/bin/Stand%20der%20Impfkampagne.PDF_bn-231402133.pdf

Häufig bleibt dabei unberücksichtigt, welche Rechtsfragen mit den COVID-19-Impfungen dieser Altersgruppe damit verbunden sind.

Bedingte Zulassung der Covid-19-Impfstoffe

Die Impfangebote der Bundesländer stehen bislang unter dem Vorbehalt, dass die europäische Arzneimittelbehörde EMA den Covid-19 Impfstoff von Biontech/Pfizer auch für Jugendliche dieser Altersgruppe ab 12 Jahren zulässt. Diese Zulassungsentscheidung wird allgemein in Kürze erwartet. Erst ab diesem Zeitpunkt, ab dem die Zulassung verfügbarer Impfstoffe auch auf diese Altersgruppe ab 12 Jahren erstreckt wird, ist eine entsprechende Impfung überhaupt rechtlich zulässig.Bei der Zulassungsentscheidung der EMA für die Covid-19 Impfstoffe handelt es sich bislang durchweg um so genannte „bedingte Zulassungen“. Das heißt, es handelt sich zwar um Vollzulassungen, sie sind jedoch mit Auflagen verbunden. Vom Zulassungsinhaber wird verlangt, dass er bestimmte Verpflichtungen (laufende oder neue Studien und in einigen Fällen zusätzliche Aktivitäten) in der vorgegebenen Zeit erfüllt, um umfassende Daten vorlegen zu können, die bestätigen, dass die Nutzen-Risiko-Bilanz weiterhin positiv ist. Dieser Umstand einer lediglich „bedingten Zulassung“ berücksichtigt, dass der Beobachtungszeitraum zu den neuartigen Impfstoffen gegen Covid-19 und die Zeiträume der klinischen Studien bislang noch sehr kurz sind.

Zulassungsentscheidung der EMA / Impfempfehlung der STIKO

Von der Zulassungsentscheidung der EMA sind die Impfempfehlungen der Ständigen Impfkommission (kurz: STIKO) zu unterscheiden.Gegenstand der Zulassungsentscheidung der EMA sind die Merkmale der „Wirksamkeit“, der „Qualität“ und der „Sicherheit“ der Impfstoffe. Diese Merkmale wurden von der EMA geprüft und durch die (bedingte) Zulassungsentscheidung (vorläufig) bestätigt.Gegenstand der Impfempfehlungen der STIKO (vgl. § 20 Abs. 2 IfSG) ist hingegen die Frage, ob und für welche Bevölkerungsgruppen und Indikationen auch ein konkreter Nutzen im Sinne eines Vorteils und einer positiven Nutzen-/Risiko-Abwägung für einzelne Impfungen festgestellt werden kann. Eine solche Impfempfehlung für Covid-19 Impfstoffe für die Altersgruppe der Jugendlichen ab 12 Jahren hat die STIKO bislang nicht ausgesprochen. Äußerungen einzelner STIKO-Mitglieder lassen vermuten, dass die STIKO zum gegenwärtigen Zeitpunkt eher keine allgemeine Impfempfehlung für diese Altersgruppe aussprechen wird, sondern lediglich eine begrenzte Impfempfehlung für bestimmte Risikogruppen dieser Altersgruppe.

https://www.tagesschau.de/inland/corona-impfung-kinder-103.html

https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/124118/Corona-Spahn-will-Jugendliche-auch-ohne-STIKO-Empfehlung-impfen

https://www.aerztezeitung.de/Podcasts/Corona-Impfung-ab-Zwoelf-Der-Nutzen-fuer-den-Einzelnen-zaehlt-419950.html

Rechtliche Konsequenzen fehlender STIKO-Empfehlung

Was bedeutet nun diese etwaige fehlende Impfempfehlung der STIKO betreffend Covid-19-Impfungen bei dieser Altersgruppe der Jugendlichen ab 12 Jahren für diese Impfangebote ?Es handelt sich bei den so genannten Impfangeboten nicht lediglich um Angebote, die frei angenommen oder abgelehnt werden können. Mit Blick auf die fehlende Impfempfehlung der STIKO sind damit vielmehr auch rechtliche Konsequenzen verbunden. Dies betrifft vor allem die Frage, ob im Falle des Eintretens eines Impfschadens ein Entschädigungsanspruch des Staates (ein so genannter „Versorgungsanspruch“) besteht oder nicht. Nach § 60 Abs. 1 Nr. 1 IfSG besteht ein solcher Entschädigungsanspruch nur dann, wenn es sich um eine Impfung handelt, die von der zuständigen Landesbehörde öffentlich empfohlen wurde. Diese verbindlichen Impfempfehlungen der Landesbehörden (vgl. dazu § 20 Abs. 3 IfSG) orientieren sich üblicherweise eng an den STIKO-Empfehlungen. Es stellt sich somit die Frage, ob die zuständigen Landesbehörden entgegen der (gegenwärtig) fehlenden STIKO-Empfehlung ihrerseits eine eigenständige Impfempfehlung gegen Covid-19 für diese Altersgruppe aussprechen werden oder nicht. Ohne eine solche öffentliche Impfempfehlung der Bundesländer dürfte keine gesetzliche Haftungsgrundlage für einen staatlichen  Entschädigungsanspruch im Falle des Auftretens eines Impfschadens bestehen.Aus Sicht des Unterzeichners handelt es sich bei dieser ggf. fehlenden Rechtsgrundlage für einen staatlichen Entschädigungsanspruch im Falle eines Impfschadens auch um einen Umstand, über den vor der Impfung aufgeklärt werden muss.

Offene Fragen

Es empfiehlt sich deshalb, bei der Abwägung über die Inanspruchnahme dieses Impfangebots durch Jugendliche ab der Altersgruppe von 12 Jahren mit Blick auf die Rechtslage eines möglichen Entschädigungsanspruches folgende Fragen – z.B. mit dem örtlichen Anbieter des Impfangebots (der Schule oder des Impfzentrums) - abzuklären:

  1. Steht das Impfangebot für Schülerinnen und Schüler ab 12 Jahren auch unter dem Vorbehalt einer entsprechenden STIKO-Empfehlung für diese Altersgruppe?
  2. Liegt – bei Fehlen bzw. Ausbleiben einer Impfempfehlung der STIKO - eine öffentliche Impfempfehlung der jeweils zuständigen Landesbehörde im Sinne von § 60 Abs. 1 Nr. 1 IfSG betreffend eine Impfung gegen Covid-19 in der Altersgruppe ab 12 Jahren vor ?
  3. Besteht nach der Rechtsauffassung des Anbieters der Impfung ein staatlicher Entschädigungsanspruch (Versorgungsanspruch nach § 60 IfSG) im Falle des Eintretens eines Impfschadens infolge einer Impfung gegen Covid-19 im Rahmen dieses Impfangebotes auch dann, wenn keine öffentliche Impfempfehlung hierzu im Sinne von § 60 Abs. 1 Ziffer 1 IfSG seitens der Landesbehörde für diese Altersgruppe von Jugendlichen ab 12 Jahren vorliegt? Auf welcher Rechtsgrundlage?
  4. Enthalten der Aufklärungs- und der Einwilligungsbogen des Anbieters entsprechende Hinweise auf den ggf. fehlenden Rechtsanspruchs auf Entschädigung (öffentlich-rechtlicher Versorgungsanspruch nach § 60 IfSG) im Falle des Auftretens eines Impfschadens nach einer Covid-19-Impfung bei Schülerinnen und Schülern ab 12 Jahren im Rahmen dieses Impfangebotes, solange und soweit keine öffentliche Empfehlung einer Landesbehörde vorliegt ?

Aufklärung vor der Impfung

Bei den zum Teil ins Gespräch gebrachten Reihenimpfungen an Schulen ist außerdem zu beachten:  Für öffentliche Impftermine (z.B. bei Schulimpfprogrammen) werden eine vorherige Aufklärung in schriftlicher Form und ggf. auch die Einholung einer schriftlichen Einwilligungserklärung empfohlen. Das entbindet den Arzt allerdings nicht von seiner gesetzlichen Verpflichtung, die zu impfende Person bzw. die Eltern oder Sorgeberechtigten zusätzlich auch mündlich aufzuklären, um ihnen die Möglichkeit für Rückfragen zu geben.

https://www.rki.de/SharedDocs/FAQ/Impfen/Aufklaerung/FAQ-Liste.html

Auch stellt sich insbesondere bei Jugendlichen ab 12 Jahren die Frage, ob die Schüler selbst oder die sorgeberechtigten Eltern oder beide Beteiligten aufzuklären sind und wer in die Impfung letztlich einwilligungsberechtigt ist: Das RKI erklärt dazu: „Bei Minderjährigen unter 14 Jahren ist regelmäßig die Einwilligung der Eltern bzw. Sorgeberechtigten einzuholen. Jugendliche können selbst einwilligen, wenn sie die erforderliche Einsichts- und Entscheidungsfähigkeit besitzen; das ist in der Regel mit 16 Jahren der Fall. Allerdings ist es stets Aufgabe des impfenden Arztes, im Einzelfall festzustellen, ob der Jugendliche 'nach seiner geistigen und sittlichen Reife die Bedeutung und Tragweite des Eingriffs und seiner Gestattung zu ermessen vermag' (BGHZ 29, 33 – 37). Gem. § 630e Abs. 5 S. 1 BGB ist auch der einwilligungsunfähige Patient entsprechend seinem Verständnis aufzuklären, soweit er aufgrund seines Entwicklungsstandes und seiner Verständnismöglichkeit in der Lage ist, die Erläuterungen aufzunehmen und dies seinem Wohl nicht zuwider läuft.“

https://www.rki.de/SharedDocs/FAQ/Impfen/Aufklaerung/FAQ-Liste.html

All dies wäre selbstverständlich auch bei Reihenimpfungen an Schulen zu beachten, sofern diese tatsächlich in dieser Form organisiert werden sollten.

Jan Matthias Hesse

Rechtsanwalt und

Fachanwalt für Medizinrecht

Studien zu einzelnen Impfstoffen bei Kindern und Jugendlichen

Comirnaty / BioNTech/Pfizer

Im renommierten New England Journal of Medicine erschien im Mai die erste wissenschaftlich veröffentlichte Studie zur Anwendung des Impfstoffs an Kindern und Jugendlichen - vom Hersteller finanziert, die überwiegende Mehrzahl der Autoren haben daher natürlich massive Interessenkonflikte (wie z.B. der Autor Sahin Ugur, der Chef von BioNTech Deutschland).Untersucht wurden 2260 Jugendliche zwischen 12 und 15 Jahren - die ermittelte Impfstoff-Effektivität wurde verglichen mit einer Vergleichsgruppe von 3775 jungen Erwachsenen aus anderen Zweigen der Zulassungsstudien.In allen Gruppen kam es zu Studienabbrechern, die gesamte Studiendauer absolvierten von den jüngeren Studienteilnehmer 1118 Teilnehmer der Impfstoff- und 1102 Teilnehmer der Placebogruppe.Studienendpunkt war das Auftreten einer COVID-19-Erkrankung später als sieben Tage nach der zweiten Impfdosis - definiert wurde diese Erkrankung als ein akuter Luftwegsinfekt (Husten, Schnupfen, Heiserkeit, ...) plus ein positiver PCR-Test. (Die Definition schwerer Verläufe spielte keine Rolle, da es während der Studie keine schweren Verläufe gab.).

Wirksamkeit

Nach dieser Definition traten in der Impfstoff-Gruppe keine, in der Placebo-Gruppe 16 Fälle von COVID-19 auf.Trägt man diese Zahlen* in die beliebte Vier-Felder-Tafel ein, zeigt sich folgendes Bild (zu den Détails der Statistik siehe bitte hier):
Frenck 4FTDas Risiko, als geimpfte(r) Jugendliche(r) an COVID-19 zu erkranken ist in dieser Studie: 0.Das Risiko, als ungeimpfte(r) Jugendliche(r) an COVID-19 zu erkranken ist in dieser Studie: 16/1102 = 0,015, also 1,5%Auch das Relative Risiko geimpfter Jugendlicher zu erkranken ist im Verhältnis zu dem Risiko ungeimpfter Jugendlicher: 0.  Denn 0/0,015 ist und bleibt 0.Damit ist die Impfstoff-Effektivität (definiert als Reduktion des Relativen Risikos) 100%.So gut, so eindrucksvoll, so bedeutungslos, denn:das absolute Risiko, als Jugendlicher zu erkranken ist mit 1,5% sehr, sehr klein und damit beträgt die Absolute Risikoreduktion durch die COVID-19-Impfung in dieser Studie 1,5%  (Prozentpunkte).Die number needed to vaccinate berechnet sich mit 1 : 0,015 = 67.Es müssen also 67 Jugendliche geimpft werden, damit einmal Husten, Schnupfen, Heiserkeit plus positive PCR verhindert werden... .*Die Zahlen sind etwas vereinfacht dargestellt - eventuell daraus entstehende Abweichungen wären aber zugunsten des Impfstoffs

Sicherheit

Nebenwirkungen insgesamt

Die Häufigkeit von Nebenwirkungen unabhängig von ihrer Schwere in dieser Studie ist hier - für ausgewählte Nebenwirkungen und beide Studien-Altersgruppen, jeweils verglichen Placebo/Impfstoff - graphisch dargestellt:Frenck2021Die Studienunterlagen geben freundlicherweise gleich die Prozentzahlen der Betroffenen an, mit denen sich - ganz analog zur number needed to vaccinate die number needed to harm berechnen lässt - die Anzahl der Jugendlichen also, die geimpft werden muss, damit eine(r) von ihnen die betreffende Nebenwirkung erleidet:Frenck2021 NNHEs müssen also nicht einmal 2 Jugendliche geimpft werden, damit eine(r) von ihnen Kopfschmerzen und fatigue, nicht einmal 6 bzw. 7, damit eine(r) Fieber und Gelenkschmerzen erleidet...

Mittelschwere und schwere Nebenwirkungen

Lässt man für die Betrachtung die als "mild" eingestuften Nebenwirkungen außen vor und betrachtet nur die in der Studie als mindestens mittelschwer ("moderate") eingestuften Impfreaktionen ergibt sich das folgende BildFrenck2021 grav Und auch hier wieder die number needed to harm:Frenck2021 NNH grav Auch hier müssen höchsten fünf Jugendliche geimpft werden, damit eine als mindestens mittelschwer eingeschätzte Nebenwirkung auftritt... .

Zusammenfassung

Nach der vorliegenden Studie müssten 67 Jugendliche geimpft werden, damit ein Fall eines banalen Luftwegsinfektes durch SARS-CoV-2 verhindert wird (denn andere Verlaufsformen von COVID-19 wurden nicht beobachtet und nicht untersucht).Von diesen 67 Jugendlichen erleiden durch die Impfung aber (statistisch) 13 Fieber, 28 Schüttelfrost, 45 Erschöpfung, 44 Kopfschmerzen, 21 Muskel-, 11 Gelenkschmerzen und 34 müssen wegen der Impfung Schmerzmittel einnehmen...

Moderna

Zur Studie TeenCOVE, in der Moderna seinen mRNA-Impfstoff an Kindern und Jugendlichen im Alter von 12 - 17 Jahren testet, existiert derzeit nur eine Pressemitteilung vom 25.05.2021.Demnach wurden 3732 Jugendliche im Verhältnis 2 : 1 aufgeteilt mit dem Impfstoff oder Placebo geimpft - ab 14 Tage nach der zweiten Impfdosis seien in der Impfstoffgruppe keine, in der Placebogruppe 4 Fälle von COVID-19 aufgetreten.Moderna PM 20210525 4FT
Legt man diese (nur sehr groben und undifferenzierten!) Daten zu Grunde, ergibt sich nach der Mathematik, die hier beschrieben ist, für dasabsolute Risiko Geimpfter ARI a : (a+b) = 0 und für dasabsolute Risiko Ungeimpfter  ARU c : (c+d) = 0,003Damit ist die Absolute Risikoreduktion ARR mit 0,003 - 0 = 0,003und die number needed to vaccinate NNV mit 1 : 0,003 = 333Mit dem Moderna-Impfstoff müssten also 333 Kinder und Jugendliche geimpft werden, um eine milde COVID-19-Erkrankung zu verhindern.

Literatur

DGKJ. 2021a. Kinder in der COVID-19 Pandemie. Stand 05.02.2021. Abruf 16.04.2021DGKJ. 2021b. Pressemitteilung 01.04.2021. Abruf 16.04.2021DGKJ. 2021c. Hospitalisierung und Sterblichkeit von COVID-19 bei Kindern in Deutschland. Stand 20.04.2021. Abruf 21.04.2021DKFZ. 2005. Passivrauchen – ein unterschätztes Gesundheitsrisiko. Heidelberg 2005. Abruf 21.04.2021Frenck RW Jr. 2021. DOI: 10.1056/NEJMoa2107456. Abruf 05.06.2021Jötten F. 2021. Wird Adenovirus-DNA ins Genom eingebaut? Spektrum 17.02.2021. Abruf 16.04.2021Kimpel J. 2019. Trillium Immunologie 3/2019Kustin T. 2021. Evidence for increased breakthrough rates of SARS-CoV-2 variants of concern in BNT162b2 mRNA vaccinated individuals. DOI: Pfizer. 2021. Pressemitteilung 31.03.2021. Abruf 16.04.2021Pharmazeutische Zeitung. 2021. Vor allem bei Jüngeren - Mehr Nebenwirkungen nach zweiter Covid-19-Impfung. Abruf 16.04.2021Pinschewer DD 2017. Swiss Med Wkly. 147:w14465. DOI: 10.4414/smw.2017.14465RKI. 2021. EpiBull 13/2021. Epidemiologie von COVID-19 im Schulsetting.Woodruff M. 2021. Immune interference – why even ‘updated’ vaccines could struggle to keep up with emerging coronavirus strains. The conversation 08.03.2021. Abruf 16.04.2021