Rotaviren - Die Impfung

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Seit 2006 sind zwei Schluckimpfstoffe gegen RV-Infektionen auf dem deutschen Markt zugelassen (ROTARIX® und ROTATEQ®).
Die Grundimmunisierung erfolgt mit zwei bzw. drei Impfdosen innerhalb des ersten Lebenshalbjahres.

Wirksamkeit

  • Beide Impfstoffe senken die Häufigkeit schwerer RV-Infektionen und die von Krankenhauseinweisungen wegen RV-Erkrankungen im ersten Jahr nach der Impfung um 90 – 100%.(Merck 2008, Vesikari 2007, Vesikari 2006)

  • Im zweiten Jahr nach der Impfung lässt die Immunität jedoch bereits deutlich nach. (EMEA 2008)

  • Ein Schutz vor RV-bedingten Todesfällen lässt sich für keinen der beiden Impfstoffe nachweisen(Ruiz-Palacios 2006, Linhares 2008, Vesikari 2006).

  • Ein ungeklärter Punkt ist, inwieweit die Wirksamkeit der Impfstoffe zukünftig durch die Verdrängung aktueller Serotypen durch die Impfung (Replacement-Phänomen) beeinträchtigt werden wird. Schon jetzt zeigen erste Untersuchungen deutliche Hinweise auf dieses replacement (Carvalho-Costa 2009)

UAW - Allgemein

  • Keiner der beiden Impfstoffe scheint das Risiko lebensbedrohlicher Darmeinstülpungen (Invaginationen) zu erhöhen – wegen dieser UAW musste vor fast 10 Jahren ein erster RV-Impfstoff vom Markt genommen werden.

  • Da geimpfte Säuglinge die RV mit dem Stuhl ausscheiden, ist eine Übertragung auf Kontaktpersonen möglich – gefährdet sind hier vor allem immunkompromittierte Personen.(GSK 2007) (Sanofi 2008)

UAW - ROTARIX

  • Reizbarkeit, Blähungen (EMEA 2008) (GSK 2008)

  • Krampfanfälle, (tödliche) Lungenentzündungen

  • Kawasaki-Syndrom (lebensbedrohliche immunologische Gefäßentzündung)

  • Durch die Auslieferung der Impfung in einer Spritze kommt es immer wieder zu einer versehentlichen Injektion der Schluckimpfung (GSK 2006)

  • Rotarix scheint von Beginn an mit einem vom Schwein stammenden Circovirus (PCV 1) verunreinigt gewesen zu sein - in Amerika wurde darauhin von der zuständigen Behörde FDA ein Verzicht auf den Impfstoff empfohlen, die europäischen Behörden (EMA) und das deutsche Paul-Ehrlich-Institut sehen hier jedoch keinen Handlungsbedarf... (at 2010)

UAW - ROTATEQ

  • Erbrechen, Durchfall, Blut im Stuhl; Luftwegsinfekte, Mittelohrentzündung

  • Asthmatische Symptome (Merck 2008)

  • Krampfanfälle, Kawasaki-Syndrom (AKdÄ 2009, EMEA 2008, Sanofi 2008)

Position der STIKO

  • Da für Deutschland keine Daten zur Krankheits- oder Komplikationshäufigkeit von RV-Infektionen vorliegen, kann die STIKO bis jetzt die für eine Empfehlung geforderte Kosten-Nutzen-Analyse nicht vorlegen.

  • Einzelne STIKO-Mitglieder äußern sich (teilweise auf Veranstaltungen der Impfstoffhersteller!) nichtsdestotrotz schon jetzt uneingeschränkt positiv zur RV-Impfung und vergleichen diese  in ihrer Bedeutung mit der der Impfung gegen Kinderlähmung (!!) in den 1960er Jahren (at 2010) – die Frage, inwieweit dies gerechtfertigt ist, möge sich der geneigte Leser durch den Vergleich der beiden Krankheitsbilder selbst beantworten...

Literatur

AKdÄ Drug Safety Mail 2009-051

a-t 2010; 41: 41

CARVALHO-COSTA, FA: EID 2009; 15; 1

EMEA: Europ. Beurteilungsbericht (EPAR) ROTARIX, Stand Aug. 2008; http://www.emea.europa.eu/htms/human/epar/r.htm

GlaxoSmithKline: Fachinformation ROTARIX, Stand Dez. 2007

LINHARES, A.C. et al.: Lancet 2008 ; 371: 1181-9

Merck & Co.: US-am. Produktinformation ROTATEQ, Stand April 2008

RUIZ-PALACIOS, G.M. et al.: N. Engl. J. Med. 2006; 354: 11-22

Sanofi Pasteur MSD: Fachinformation ROTATEQ, Stand April 2008

VESIKARI, T. et al.: N. Engl. J. Med. 2006; 354: 23-33

VESIKARI, T. et al.: Lancet 2007; 370: 1757-63